Die Wintersaison 23/24 ist da – und wie: Selten zuvor gab es so früh so viel Schnee. Für schöne und sichere Touren sollten Schneesportler*innen allerdings einige Punkte beachten. Der Deutsche Alpenverein ordnet die Schneesituation in den Bergen ein und gibt Tipps für einen gelungenen Start in die kalte Jahreszeit.
Die Situation in den Alpen
Blickt man auf diesen Frühwinter, geraten Ski-Fans bereits jetzt ins Schwärmen. Statements wie „bester Saisonstart ever“ liest man im Netz, begleitet von unzähligen Abfahrtsvideos im staubenden Pulverschnee. Und in der Tat war diese erste Schneefallperiode deutlich ausgeprägter als in den Jahren zuvor: Zwischen 60 und 100 Zentimetern Neuschnee fielen allein am letzten Wochenende in Tirol vom Himmel. Verbunden mit teilweisen Altschnee- oder Gleitschneeproblemen in der Schneedecke, sorgte der letzte Schneefall aber auch für einige Nervosität bei den Lawinenwarndiensten: Die zweithöchste Gefahrenstufe (4 – „groß“) wurde am Wochenende für höhere Lagen in Tirol ausgerufen, im Salzburger Land und in Bayern war durchwegs eine „erhebliche“ Lawinengefahr (Gefahrenstufe 3) angezeigt.
Die massiven Schneefälle der letzten Tage und Wochen haben für deutlich überdurchschnittliche Schneehöhen in den Bergen gesorgt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass diese Schneedecke selbst dann erhalten bleibt, wenn das berüchtigte Weihnachtstauwetter einsetzt.”, erklärt Thomas Bucher, Pressesprecher beim Deutschen Alpenverein.
Auch im Tal kam der Schnee in ungewohnter Intensität an: In München fielen am vergangenen Wochenende 45 Zentimeter Neuschnee – ein neuer Dezemberrekord seit dem Beginn der regelmäßigen Messungen Anfang der 1930er Jahre. Das sorgte zwar für chaotische Zustände bei Bahn und Verkehr, ermöglichte aber auch seltene Gelegenheiten wie zum Beispiel eine Skitour auf den Münchner Olympiaberg.
Damit Winterfans den Schnee uneingeschränkt genießen können, gilt es aber einiges zu beachten.
„Winterzeit ist Lawinenzeit“, erklärt Stefan Winter, Bergführer und Ressortleiter Breitenbergsport im DAV. Darum müsse man sich zu Beginn der Saison wieder mit dieser Gefahr auseinandersetzen: „Und zwar nicht nur bei der Ausrüstung, sondern auch im Kopf“, so Winter.
Beim Material checkt man zunächst die Lawinen-Notfallausrüstung: Das LVS-Gerät benötigt neue, passende Batterien. Zudem überprüft man, ob die Funktionen „Senden“ und „Suchen“ richtig arbeiten. „Außerdem gibt es für die Geräte in regelmäßigen Abständen Updates und man sollte sie auch regelmäßig zum Hersteller zur Wartung einsenden“, so Stefan Winter, „am besten aber bereits vor der Skisaison.“ Als nächstes prüft man, ob die Lawinensonde und die Lawinenschaufel einsatzbereit sind. Auch Lawinenairbags verlangen nach einer regelmäßigen Wartung und Rucksäcke mit elektronischem Gebläse sollten auch in bestimmten Abständen geupdatet werden.
„Genauso wichtig wie die Pflege der Ausrüstung ist es aber auch, sich mit dem Thema Lawine zu befassen“, sagt Stefan Winter: Das betrifft zum einen die Prävention, also welche Schritte Wintersportler*innen anwenden müssen, um ihr persönliches Risiko in eine Lawine zu geraten zu minimieren, sowie das Verhalten im Notfall. „Bei der Einschätzung des Lawinenrisikos hilft das DAV-Lawinenmantra weiter, das Notfalltraining absolviert man am besten regelmäßig in einer Gruppe oder in einem Kurs“, so Winter und betont: „Das gilt für alle Arten von Schneesport im freien Gelände, denn Lawinen unterscheiden nicht zwischen Ski- oder Schneeschuhtouren.“
„Auch die Ski sollte man in den Frühwinter-Check miteinbeziehen“, erklärt Stefan Winter: Ein gut präparierter Belag sorgt für bessere Fahreigenschaften und hilft nicht nur Profis, sondern auch Anfänger*innen. Geschliffene Kanten geben Halt auf eisigeren Passagen. Die Einsatzbereitschaft der Skibindung und Skistiefel gehören ebenso dazu. Dazu überprüft man den Kleber der Skitourenfelle und imprägniert gegebenenfalls die Fellhaare neu.
Wer nun bereit ist, der sollte sich erstmal langsam herantasten: „Die Bewegungen im Auf- und Abstieg und bei Kehren muss man erstmal wieder üben und Muskeln und Bänder sowie das Herz-Kreislauf-System müssen sich an die neue Belastung gewöhnen“, erklärt der Bergsportexperte. Am besten könne man dies auf einer offiziell ausgewiesenen Pistentour machen und den Abstecher in die Berge gleich noch mit einem kleinen LVS-Training verbinden.
Hilfreich beim Einschätzen des Risikos einer Lawinenauslösung ist der neue Layer „ATHM“ von Skitourenguru in der Tourenapp alpenvereinaktiv.com: Er steht für „Avalanche Terrain Hazard Map“ und zeigt unter Einbeziehung mehrerer Geländedaten, in welchem Bereich die Wahrscheinlichkeit, eine Lawine auszulösen eher hoch beziehungsweise weniger hoch ist. Dabei stützt er sich aber nicht auf tagesaktuelle Daten zur Schneedeckenstabilität aus den Lawinenlageberichten, sondern gibt das Risiko bei Bedingungen an, wie sie typischerweise bei Gefahrenstufe 2 und 3 vorkommen können. Die Funktion steht allen Pro-Mitgliedern zur Verfügung
Wer sich zu Fuß in den Schnee begeben möchte, findet auch hier viele Möglichkeiten. „Man sollte sich aber im gesicherten Raum aufhalten und auf geräumten Wegen bleiben“, so Thomas Bucher. Das könnten zum Beispiel von Tourismusverbänden extra freigegebene Wege sein, präparierte Rodelbahnen oder geräumte Forststraßen zu Hütten. Neben geeigneten Schuhen mit tiefer Profilsohle kann man auch Stöcke und Grödel nutzen, um zusätzlich Halt zu finden.
Vom klassischen Berggehen ohne Schneeschuhe und Ski rät Bucher indes ab: „Man versinkt innerhalb kürzester Zeit bis zur Hüfte im Schnee und kommt so kaum voran. Und außerdem muss man dann wieder die Lawinengefahr bedenken und sich entsprechend vorbereiten.“
Auch im Winter haben einige DAV-Hütten geöffnet – manche nur im Tagesbetrieb, andere Beherbergen auch über Nacht Gäste. Die Öffnungszeiten finden Sie hier. Die Angaben werden laufend aktualisiert, wir empfehlen aber trotzdem, vor einer geplanten Tour noch einmal mit der Hütte Kontakt aufzunehmen.
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