Zum zweiten Mal nach 2023 brechen wir auf zu einem Kletterkurs für Mehrseillängenrouten nach Arco am Nordrand des Gardasees.
Das Wetter bei der Abfahrt lässt so gar nicht an Klettern denken. Kalt und nass drückt die Kaltfront aus dem Nordwesten herein. Doch die Vorhersage behält recht. Gleich nach dem Brenner wird es trocken und wir dürfen 5 absolut trockene Tage bei angenehm moderaten Temperaturen im schönen Arco verbringen. Wir, das sind 8 Teilnehmer, 2 Kursleiter, sowie mit Fabian unser neuer Traineraspirant.
Den ersten Nachmittag nutzen wir gleich noch, um uns in einem nahe gelegenen kleinen Klettergarten ein wenig einzuklettern und uns die Grundlagen des Standplatzbaus reinzuziehen. Denn am nächsten Tag legen wir auch gleich los. Die netten Mehrseilängentouren in Regina del Lago sind gut im Wald geschützt und lassen einen schönen Blick auf den See zu. In den moderaten Touren können wir dann gleich ein wenig Praxis betreiben, so dass jeder gleich mal mitbekommt, wie denn das mit den Mehrseillängen so funktioniert. Auch am zweiten Tag gehen wir richtig in die Praxis. Über Laghel, dass wir von unserer Unterkunft auch wieder schön zu Fuß erreichen können, finden wir ein paar sehr gut geeignete Touren. Dass auch dieser Tag einen bleibenden Eindruck bei so manchen hinterlassen hat, zeigt dieser kleine “Zeugenbericht” einer unserer Teilnehmerinnen:
Nach dem typischen Frühstück mit Brioche (heute ohne Pistaziencreme) und Kaffee ging es direkt vom Ort aus los in Richtung unserer heutigen Tour.
Entlang eines Höhenweges durch Olivenhaine hatten wir eine schöne Aussicht und konnten schon aus der Ferne die Routen unserer Mehrseillängen erkennen. Am Wandfuß angekommen teilten wir uns auf zwei Routen auf - Edera und Via Alpina. Links in der "Edera" kämpften sich erst die Dreierseilschaft Sepp, Lilly und Sebastian und danach Christian mit Jonathan durch den sehr steilen Einstieg, während es in der Via Alpina vergleichsweise gemütlich losging. Es starteten Ludwig mit Klaus und später Niko mit Peter und Fabian mit Annemarie. Währenddessen haben wir noch eine nachfolgende vierte Seilschaft vom Attersee kennengelernt, die erstaunt waren, dass es sich beim Chiemgau nicht nur um Flachland handelt. Von Seilkommandos wenig begeistert zeigten sie uns dann noch nach der ersten Seillänge, wie der Atterseer Stand aufgebaut wird: hierbei dient das alte Stück Seil einer Sanduhr als Zentralpunkt. Zum Glück haben wir von Ludwig, Sepp und Fabian heute gezeigt bekommen wie z.B. Reihenschaltung und Südtiroler Stand als deutlich sichere Varianten funktionieren. Vor allem nach den etwas gefälligeren ersten vier Seillängen in den plötzlich sehr steilen letzten beiden Seillängen waren wir sehr froh über die kompetente Expertise unserer Vorsteiger. Besonders in Erinnerung bleibt uns die Tropflochquerung. Wir haben alle viel gelernt: Klaus musste lernen, wie es ist, die Nerven zu verlieren und Ludwig lernte deshalb neue Schimpfwörter. Niko wollte aus der 5+ eine 7 machen, indem er sie hoch anstieg und zeigte uns recht unfreiwillig, wie man dann eine Exe von oben her einhängen muss... Annemarie war absolut davon überzeugt es gar nicht zu schaffen und anschließend dankbar, dass Fabian sie mit viel Ruhe "nach oben motiviert" hat: "Es soll ja auch ein wenig kitzeln...". Dass man aber auch weiterklettern darf, wenn man 15min nach dem "Stand" Kommando noch immer nicht "Kommen" hörte, war auch eine neue Erkenntnis - und so waren schon alle mit der Brotzeit fertig, als auch Annemarie endlich oben ankam. Belohnt wurden wir mit einer tollen Aussicht bis zum Gardasee und unten in Arco mit Kaffee und Aperol Spritz bei bestem Wetter.>
Der vierte Tag führte uns dann wieder zu Fuß über einen schönen Weg zum Klettergarten Muro del Asino. Nachdem wir viel Praxis gemacht hatten, mussten wir nun die gesehenen Dinge inhaltlich noch etwas tiefer legen. Der schön gelegene Klettergarten eignet sich dazu hervorragend. Neben verschiedenen Varianten des Standplatzbaus ist das Thema Abseilen heute noch sehr wichtig. Und bei manchen klappt sogar noch der Schleifknoten “von oben”, den wir für fast jedes Notfallmanöver brauchen können.
Zum letzten Mal besuchen wir dann an diesem Abend noch “unsere” Pizzeria, die wir tatsächlich jeden Abend aufsuchten; nicht nur weil wir sie von unserer Unterkunft in 20 Meter durch die Hintertüre erreichen konnten, sondern weil es auch gut schmeckte und das herzliche Peronal zusagte.
Auch am letzten Tag verbringen wir den Vormittag noch im Belvedere bei Nago, da das günstig auf dem Heimweg liegt. Wir versuchen uns dort noch an ein paar netten Touren, bevor sich der Klettergarten mit sehr vielen Leuten füllt. Leider muss einer von uns noch schmerzlich lernen, was passieren kann, wenn der Sturzweg aufgrund straffer Sicherung sehr kurz wird. Schnell gibt es eine ordentliche Beule auf dem angeschlagenen Schienbein. Wie sich im Nachgang heraus stellt, ist es glücklicherweise keine schlimme Verletzung und daher wohl nur eine Lehre. Mir zeigt es jedoch wieder mal, wie wichtig Ausbildung beim Klettern ist. Wahrscheinlich wird hier mal ein Sturz- und Sicherungstraining fällig sein, denn solche unschönen Zwischenfälle lassen sich eigentlich problemlos vermeiden.
Alles in allem kehren wir nach den fünf Tagen alle wieder frohen Mutes und mit mehr Erfahrung im Gepäck nach Hause. Schön wären noch ein paar Tage mehr gewesen.
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