Bei Jungbullen ist es auch ein natürlicher Prozess sich die Hörner abzustoßen, besser gesagt abzureiben, wie auch der Herr Bauer die Hundescheiße, als wir los fahren wollten. Scheiß Start für den ersten Selbstgeplanten und voll verantwortlichen Jugendausflug in das schöne Frankenjura. Doch für das Gemüt ein unterhaltsamer Anblick und Start des Geschehens. Erster richtiger Plan, Essensjagt. Grober Plan fürs Wochenende, Flammkuchen. Doch nach 3 Stunden Fahrt und Besprechungskreis im örtlichen Edeka wurde der erst lückenlose Plan zu Pizza und Brotzeit umgedichtet. Auf dem Weg zur Kasse war der Griff zum Kilo Angstnudeln mit Pesto auch nicht weit. Das Mengenverhältnis zum Thema, das reicht nie und wer isst das alles in zwei Tagen, war die größte Hürde. Essen gesichert, Jagt erfolgreich.
Haus Egerland ausgekundschaftet und mit Freudensprüngen realisiert, das riesige Haus nur für uns acht motivierten vertikalen Bewegungslegastheniker. Am Stammtisch wurde ein Festmahl hergerichtet. Selbstgemachte Dampfnudeln mit Vanillesauce, Bulgur Salat mit Gemüse, Frischkäse, Tilsiter, frisches Bauernbrot, Couscous Salat mit Feta sowie frisches Rührei mit karamellisierten Zwiebeln und Knoblauch. Nach erfolgreicher Proteinzufuhr sind wir an den großen Spieletisch umgezogen. Da nahm der Abend dann richtig Anlauf durch UNO mit und ohne zwischenschmeißen. Doch das Highlight nach dem Startschritt, „Shit Happens“. Ein Kartenspiel mit unglücklichen Geschehnissen, die nach Gewichtung zu ranken sind. Einfach doch gut. Nach Einigung der Aufstehzeit, schlugen vernehmlich die Nachtruheglocken. Doch manches Huhn nahm sich das Hühnergekichere nicht gleich. Junger Führungsstab, doch alte Blase. Dumm nur, wenn man mit müden Augen in einem ungewohnten, stockdunklen Herbergen-Stockbett die Treppe vergisst und schlagartig dem Boden nahe kommt. Runter gepoltert, raus gepoltert und im Nebenzimmer Hühnerstall Geräusche. Nach der gemeinsamen festgelegten Aufstehzeit war die Freude nicht direkt groß, als man an der Tür klopfte und das Licht aufgedrehte. Von Hühner, die sich Übernacht zu Schmetterlingskokons verwandelt hatten. Verstrahlte Blicke doch kein Murren, vor allem nicht, nachdem Janosch die Meute mit dem Vorwand „Morgensport“ durch und ums Haus jagte.
Als die mittlerweile munteren und gut gelaunten Schmetterlinge das Frühstück genießen konnten, durfte sich auch ein jeder seinen Pausenbrot-Bausatz selbst zusammenstellen. Am Felsen angelangt hieß es, direkt den Helm auf und sich dem Felsen-flüstern ganz und voll hingeben. Sprüche wie: „an der Schuppe rechtsrum, dann wird’s leichter“, was sich als irreführend herausstellte oder „Immer weiter hinaus über die Exe klettern, dann fällst vielleicht, doch bist dem nächsten Hakerl näher“, versüßten uns den Tag. Erschöpft doch zufrieden ging´s dann Richtung Festmahl. Ach wie gut, dass wir eine angehende Konditormeisterin dabei haben, so war der selbstgemachte Pizzateig blitzschnell zusammen geknetet. Auf Blechen ausgerollt und mit Liebe belegt. Geheimtipp: Honig auf das fertige Stück. Klingt komisch, ist aber so. Mit sogenannter Bayern 1 Musik, wurde gemeinschaftlich das Schlachtfeld beseitigt, weil jeder schon bereit für den nächsten bitteren Spieleabend war.
Wikingerschach stand als erstes auf dem Programm. Vereitelte Betrugsversuche sowie hitzige Diskussionen sind auf dem Schlachtfeld ganz normal. Doch als die letzte Schlacht geschlagen war und das Himmelslicht erlosch, wurde schnell der große Spieletisch beschlagnahmt. Naja was soll ich sagen, vier von vier Spielen dominierte Anna über jeden. Chancenlos mussten sich Sieben Narren der neuen Kaiserin unterwerfen. Diese Nacht verwandelten sich die Schmetterlinge jedoch nicht mehr in aufgedrehte Hühner. So flatterten sie Richtung Nest und verzogen sich glücklich, doch sehr müde in ihre Kokons. Als die Morgenröte am Horizont seinen Lauf nahm, tobten acht fleißige Zwerge durch die Villa Kunterbunt. Frühstücken, packen und fegen. Ein jeder legte sich richtig ins Zeug, als sich das Felsenflüstern langsam in lautes Schreien aufschaukelte. Kurze Mark Forster Tanz- und Singpause, bevor es dann zum Felsen ging. Dort angelangt, stellte Tobi fest, dass er mal wieder sein Trinken vergessen hat. Und das vorlauter Angstnudel-Kocherei, für einen super Stärkung zwischendrin. Selbstlos, aufopfernd. Als sich Julia wie Pete Whittaker in die Felsspalten klemmte und presste, stellte sie schnell fest, dass ihr rechter Fuß zu sehr klemmte und sich nicht mehr bewegen ließ. Doch sie blieb ruhig, lachte und sang „Es gibt nix was mich hält Au Revoir“. Mark Forster wäre stolz und wir waren es auch. Ganz richtig war die Deutung des Liedes in diesem Moment nicht, doch mussten alle Lachen. Pesto Nudeln, Sonnenschein im Buchenwald und toller Jurakalk. So genoss noch jeder die letzten Stunden in der Natur. Alleine oder gemeinsam, einfach frei und ganz er selbst. Zu kurz die Zeit, doch erfüllend.
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