Kein Stuhl blieb unbesetzt, als sich Mitglieder und Gäste am Dienstag 3. Dezember im Saal des Gasthof Kampenwand in Bernau zum Sektionsabend trafen. Im Mittelpunkt des Abends stand Anderl Mannhardt, der über die Nanga Parbat-Expedition im Sommer 1962 berichtete. Unter Leitung von Dr. Herrligkofer gehörten damals neben ihm auch Toni Kinshofer, Siegi Löw, Hubert Schmidbauer, Michl Anderl und Manfred Sturm zum Expeditionsteam.
Anderl erinnerte zunächst an die gescheiterten Unternehmungen am Nanga Parbat in den 30er Jahren, die erste Besteigung durch Hermann Buhl im Jahr 1953, und die fehlgeschlagene Expedition im Jahr davor. Würde es diesmal gelingen? Mit einer Fülle von Originalfotos, gespickt mit vielen interessanten Details und persönlichen Erinnerungen schilderte Anderl Mannhardt in seinem packenden Vortrag den dramatischen Verlauf der Expedition. In spannenden Momenten konnte man im Saal eine Stecknadel fallen hören.
Schon die Anreise war abenteuerlich: Mit dem Schiff bis Karachi, eine Woche Aufenthalt in Rawalpindi, bis endlich die Erlaubnis zur Einreise nach Kaschmir erteilt wurde, dann der Flug nach Gilgit mit einer kleinen Propellermaschine, die es nur extrem knapp über einen Bergkamm geschafft hatte, und anschließend die dreitägige Fahrt auf einer schmalen Sandpiste über enge Serpentinen hoch über dem Indus bis zum Ausgangsort, wo aus den umliegenden Dörfern die Träger angeheuert wurden. Anderl Mannhardt erzählte von seinen Begegnungen mit den Menschen vor Ort, den Trauben von Kindern und Jugendlichen, die sie umringten, den Lebensumständen in den pakistanischen Dörfern der Gegend, von den Mullahs, lokalen Würdenträgern und Bauern, die sie etappenweise auf ihrem Fußmarsch begleiteten. Das Equipment wurde auf Säcke, Holz- und Alukisten verteilt. Die Träger gingen barfuß oder hatten Lappen um die Füße. Nach vier Tagen durch die steile Diamir-Schlucht erreichten sie die Stelle, an der auf etwa 4.000 m Höhe das Hauptlager aufgeschlagen wurde. Die meisten Träger kehrten in ihre Dörfer zurück.
Gemeinsam mit einigen erfahrenen Trägern machten sich die Expeditionsteilnehmer daran, die neue Route über den Diamir-Gletscher zu erkunden. In diesem Bereich gab es häufige Lawinenabgänge mit riesigen Staubwolken. Eine davon ging knapp am ersten Höhenlager vorbei und streifte das Zelt zweier schlafender Männer. Auf der Route zum zweiten Höhenlager wurde auf halsbrecherische Weise eine provisorische Seilbahn errichtet, um das Material über eine Felsstufe hoch zu transportieren. An einigen besonders steilen Passagen wurden Sicherungsseile fixiert.
Ausstieg aus der Felsbarriere in der Diamirflanke (Toni Kinshofer)
Das dritte Höhenlager mit zwei Sturmzelten lag auf ca. 7.000 m. Mittlerweile funktionierte der Benzinkocher nicht mehr richtig, um Schnee zu schmelzen. Es gab kaum mehr was zu Trinken! Nachdem in der Nacht große Mengen Neuschnee gefallen war, kämpften Toni Kinshofer, Siegi Löw und Anderl Mannhardt sich zur Bazhinscharte hoch. Am Gipfelgrat über der Rupalwand musste ein Gendarm übergeklettert werden. Als Siegi Löw dort in das Loch einer Wächte fiel, konnte er nur mit viel Glück am Seil gehalten werden und verlor seinen Pickel. Nach der insgesamt sechzehnstündigen Schinderei endlich am Gipfel angekommen meinte Toni Kinshofer nur: "Den Zapf'n hamma jetzt a!"
Beim Abstieg auf der Diamir-Seite musste kurz unter dem Gipfel bei ca. minus 35 Grad biwakiert werden, allerdings ohne den Biwaksack und ohne Anderls Überhose! Siegi Löw war am Ende seiner Kräfte. Mitten im steilen Gelände setzte er sich in eine Rinne und fuhr durch sie ab. Er stürzte ca. 50m über einen Felsriegel und blieb in der Bazhinmulde schwer verletzt liegen. Während Anderl Mannhardt abstieg, um Hilfe zu holen, blieb Toni Kinshofer bei ihm, bis der Tod eintrat, und kehrte dann zum dritten Hochlager zurück.
Toni Kinshofer und Anderl Mannhardt hatten während des gesamten Auf- und Abstiegs nichts gegessen noch getrunken. Beide erlitten schwere Erfrierungen an den Füßen und schafften trotzdem den Abstieg zum Hauptlager in drei Tagen. Von dort wurden sie in Hängematten an Stangen von Trägern ins Tal getragen. Auf dem steilen Pfad in der Indus-Schlucht wäre Anderl Mannhardt mit seinen beiden Trägern beinahe noch abgestürzt, wenn nicht ein Begleiter geistesgegenwärtig zugegriffen hätte.
Mit erfrorenen Zehen und Nase wird Anderl Mannhardt ins Tal getragen
Nach seiner Rückkehr lagen Anderl und Toni sehr lange im Krankenhaus, wo ihre Erfrierungen an Nase und Füßen behandelt wurden.
Das Publikum bedankte sich mit anhaltendem Applaus für Anderl Mannhardts fesselnden Vortrag. Abschließend wies Josef Buchner, der Sektionsvorsitzende, auf die nächste Veranstaltung am 14. Januar hin, auf dem es Informationen aus erster Hand geben wird über die neue Ausrichtung des Lawinenwarndienst in Bayern.
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