Dass Hans Steinbichler jun. und Wast Pertl als Almbauer auf dem Podium sitzen und heute miteinander reden, ist ihrem Blick nach vorne zu verdanken. Die damals 8- und 9-Jährigen hatten sicher keine unbekümmerte Jugend. Sie wuchsen. auf in dem hasserfüllten Umfeld ihrer Väter. Für Hans Steinbichler war zu Hause „Kriegsgebiet“ und die Bürgerinitiative für ihn als Kind nicht unterscheidbar von anderen radikalen Organisationen. „Meine Mutter machte Brotzeit für die Terrororganisation Bürgerinitiative“. Er fühlte sich als „Kettenhund des Vaters“, der all dessen Emotionen mitbekommen hat. Das hinterlässt Spuren. Und auch wenn heutzutage alles politisch korrekt formuliert und kontrolliert wird, will Steinbichler klare Worte sprechen, er möchte, dass er verstanden wird - dass das Publikum versteht, wie drastisch es damals war.
Auch Wast Pertl empfand damals eine tiefe Abneigung gegen die Steinbichlers, genährt von der Haltung seines Vaters. Zuerst sah dieser seine und die gesamte Almwirtschaft bedroht von der Erschließungsidee. Als diese 1981 vom Tisch war, sahen sie in der strengen Naturschutzidee eine Gefahr für den Almwirtschaftsbetrieb. Ironischerweise kam Wast Pertl zum ersten Mal mit der Bürgerinitiative persönlich in Kontakt, als er - als 16-Jähriger bei der Bergwacht – die Kamera für Hans Steinbichler sen. auf den Gipfel trug – und wurde dafür aufs Übelste beschimpft. Seitdem gab es viele Situationen, die die Zwietracht immer wieder anfeuerten. Ein Beispiel: Als gelernter Schreiner hatte Wast Pertl in bester Absicht und ehrenamtlichem Engagement Sitzbänke für die Wanderwege gebaut. „Plötzlich ging mich irgendein Typ aus Minga an, weil ich ohne Genehmigung Bankerl gebaut hatte“. Der Typ aus München, das war Klaus Gerosa, auch ein Mitglied der Bürgerinitiative. Die Fronten verhärteten sich immer weiter. Das zeigt auch Lothar Obermaier, der sich als noch lebender Zeitzeuge und Mitglied der Bürgerinitiative aus dem Publikum zu Wort meldet und die Hitzigkeit und Emotionen der Treffen noch einmal eindrücklich unterstrich.